WS 2016

Copy Cultures – Medienpraktiken der Aneignung

Vorlesung im Aufbaumodul 1 (BA Medienkulturwissenschaft) / Studienmodul 1 (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2016/17 [Kommentar]

Cut & Paste, Remix, Mash-Up, File-Sharing, Going viral: Die digitale Vereinfachung medialer Aneignungspraktiken hat zu einer Omniprüsenz von »Copy Cultures« beigetragen, die zum regelrechten Epochensignum avanciert sind. Dass wir in einem Zeitalter der Kopie leben, steht im scharfen Kontrast zum traditionell schlechten Ruf dieses Begriffs – gegenüber kulturellen Werten wie ›Original‹ und ›Originalität‹ hat die ›bloße Kopie‹ nach wie vor einen schweren Stand, wie etwa die anhaltenden Schwierigkeiten mit einer Reformierung des Urheberrechts dokumentieren.

Die Vorlesung widmet sich zum einen der prädigitalen Vorgeschichte von Kulturtechniken der Aneignung sowie der theoretischen Auseinandersetzung mit der Unterscheidung von Original und Kopie. Zum anderen werden anhand ausgewählter Beispiele wie Appropriation Art, Found Footage Film oder Sampling Konzepte erarbeitet, mit denen sich die medienspezifischen Verfahren, die in partizipatorischen Aneignungskulturen der Gegenwart zur Geltung kommen, genauer bestimmen lassen – und zwar nicht zuletzt mit Blick auf ihre ›Originalität‹.

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Zitieren, Kopieren, Plagiieren. Vorbereitung einer Tagung zur Medienästhetik (pop-)kultureller Wiederholung (gemeinsam mit PD Dr. Mathias Mertens): paste©

Projektmodul (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2017 [Kommentar]

Eine der dringlichsten medienwissenschaftlichen Fragen der letzten Jahre ist die des Urheberrechts. Nach vielen Jahrhunderten, in denen diese Frage durch den Verkauf materieller Datenträ:ger, an die Inhalte technisch notwendig geknüpft waren, nicht gestellt werden musste, hat die Digitalisierung eine Reihe von rechtlichen und künstlerischen Problemen hervorgerufen. Das Projekt will sich mit den verschiedensten Aspekten des Komplexes beschäftigen: der historischen Genese des Urheberrechts, der Kunsttradition der Originalkopie, Appropriation Art, Postmoderne, Intermedialität, der musikalischen Sample- und Remix-Kultur, der Diskussion um wissenschaftliche Plagiate, Copy-and-Paste-Praktiken, Internet-Memes. Die Recherchen und Überlegungen sollen von Beginn an mit der Organisation und Durchführung einer Tagung verknüpft werden, die Beiträl;ge und Performances von Studierenden, Wissenschaftler/innen und Künstler/innen zu dem Themenkomplex zusammenbringt.

Literatur zum Einstieg: Dirk von Gehlen: Mashup. Lob der Kopie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2011.

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Still Signifyin’? Gender & Race Politics im Musikvideo

Seminar im Studienmodul 1: Medientheorie (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2016/17 [Kommentar]

Wie die Diskussionen über ›race politics‹ und Feminismus zeigen, die Beyoncés Song Formation und ihr ›audiovisuelles Album‹ Lemonade jüngst ausgelöst haben, kann dem Medium des Musikvideos durchaus das Potential zugute gehalten werden, in aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen einzugreifen.

Im Seminar erarbeiten wir uns anhand ausgewählter Bilder, Filme und Theorien ein Instrumentarium zur Analyse der Blickregime und Betrachterpositionen, die (audio-) visuellen Repräsentationen von Gender und Race eingeschrieben sind. Anhand exemplarischer Clips wird zu diskutieren sein, inwiefern Konzepte wie »male gaze« (Laura Mulvey), Gender-Parodie (Judith Butler), Signifying (Henry Louis Gates Jr.) oder Dichotomien wie high vs. low, Subkultur vs. Mainstream, Subversion vs. Affirmation überhaupt noch greifen, um die gegenwärtige Gemengelage zu beschreiben, und welche Alternativen (etwa aus dem Bereich der Affekttheorie) zur Verfügung stehen.

Literatur: Kathrin Peters/Andrea Seier (Hg.), Gender & Medien-Reader. Berlin: Diaphanes 2016.

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Exkursion zum Medienkulturfestival transmediale (Berlin, 2.-6. März 2017)

Exkursion (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2016/17 [Kommentar]

Vom 2. Februar bis 5. März 2017 findet in Berlin das Medienkulturfestival transmediale statt – diesmal als »Jubiläumsausgabe«, mit der der 30. Geburtstag der seit 1997 jährlich stattfindenden Veranstaltung gefeiert wird. Das diesjährige Motto »ever elusive« spielt darauf an, dass nicht nur die im anhaltenden Wandel begriffenen Medienkulturen, um die es geht, ›schwer zu fassen‹ sind, sondern dass sich auch das Festival der Festlegung auf bestimmte Formate programmatisch entzieht.

Tatsächlich verbindet die transmediale, zu der eine auf Einreichungen von Künstler/innen basierende Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt gehört, traditionell durchaus unterschiedliche Herangehensweisen wie theoretisch-akademische Präsentationen und künstlerische Performances – häufig in ein und derselben Veranstaltung. 2017 liegt ein thematischer Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit den fließenden Übergängen zwischen menschlicher und nicht-menschlicher agency – und damit auf medienökologischen Fragen, wie sie gegenwärtig sowohl im Rahmen künstlerischer Praxis wie in der Medientheorie gestellt werden.

Neben dem gemeinsamen Besuch der Ausstellung und der Programmpunkte des Festivals sind tägliche Seminarsitzungen vor Ort vorgesehen. Desweiteren sind gemeinsame Besuche des Berliner Museums für Kommunikation sowie der Deutschen Kinemathek/Museum für Film und Fernsehen geplant.

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SS 2016

Medien und Magie

Seminar im Modul Forschungsdiskurse (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2016 [Kommentar]

Medien und Magie unterhalten vielfältige Beziehungen: Aus medienarchäologischer Sicht liefert die Vorgeschichte des Kinos in der Geschichte der optischen Magie (Stichwort ›Laterna magica‹) einschlä:giges Anschauuungsmaterial. Im Okkultismus, dessen historische Konjunkturen kaum zufällig mit technischen Modernisierungsschüben zusammenfallen, kommen technische ebenso wie menschliche Medien (oder ›Mediums‹) zum Einsatz, um unsichtbare Kräfte zum Vorschein zu bringen (etwa in der Strahlen- und Geisterfotografie). Und nicht zuletzt sind es die bis in die Gegenwart anhaltenden Rekurse auf magische Begrifflichkeiten zur Beschreibung von Medienwirkung (etwa als Verzauberung, Faszination oder Glamour), die Anlass genug bieten, unseren Umgang mit Medien als Praktiken säkularer Magie in den Blick zu nehmen.

Das Seminar verbindet die Rekonstruktion exemplarischer Konstellationen mit der Diskussion neuerer medienkulturwissenschaftlicher Forschungsansätze zu Fragen okkulter agency und zur ›Macht der Dinge‹.

Literatur: Simon During, Modern Enchantments. The Cultural Power of Secular Magic, Cambridge, Mass. [u.a.]: Harvard University Press 2002.

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Melodrama intermedial

Seminar im Studienmodul 4: (Inter-)Mediale Konstellationen (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2016 [Kommentar]

Einen »Medienbastard« nennen die Herausgeber/innen eines 2013 erschienenen Bandes zum »Melodram« ihren Gegenstand, und schon die etwas altmodisch anmutende deutschsprachige Bezeichnung (ohne -a) weist darauf hin, dass die Diagnose einer konstitutiven Vermischung von Medien bereits für die theatralen Frühformen der Gattung zu veranschlagen ist. Als (im Unterschied zur Oper) ›illegitimes‹ Kind von Theater und Musik wird das Melodrama vorzugsweise in den vermeintlichen Niederungen der Populärkultur verortet – eine Zuschreibung, die durch die affektsteigernde Wirkung der Medienkombination zusätzlich begünstig wird. Das Seminar widmet sich exemplarischen Hybridbildungen von ›melos‹ und ›drama‹ in unterschiedlichen medialen Formaten – vom bürgerlichen Trauerspiel über klassische und weniger klassische Filmmelodramen bis zur Telenovela. Dabei gilt unser Augenmerk nicht zuletzt dem politischen Potential einer Gattung, die traditionellerweise mit »Gefühlsduselei«, Häuslichkeit und Eskapismus assoziiert wird. Diesbezüglich werden insbesondere Melodramen der Migration zu diskutieren sein.

Literatur: Daniel Eschkötter/Bettine Menke/Armin Schäfer (Hg.), Das Melodram. Ein Medienbastard. Berlin: Theater der Zeit 2013 (Vorwort online). Hermann Kappelhoff, Matrix der Gefühle. Das Kino, das Melodrama und das Theater der Empfindsamkeit. Berlin: Vorwerk 8, 2004.

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Sichtbares und Sagbares – Text-Bild-Beziehungen

Seminar im Studienmodul 4: (Inter-)Mediale Konstellationen (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2016 [Kommentar]

Mit der seit den 1990er Jahren in den Kulturwissenschaften weit verbreiteten Diagnose eines »Pictorial Turn« geht die Forderung nach einer Erweiterung des Bildbegriffs einher, der sich nicht länger auf ›Kunstwerke‹ im klassischen Sinne zu beschrä:nken habe. Doch die visuelle Kultur der Gegenwart ist auch mit der Feststellung einer Wende zu den Bildern, bei der die vielfältigen medialen Erscheinungsweisen des Visuellen berücksichtigt werden, noch unzureichend beschrieben. Vielmehr werden die jeweils herrschenden Ordnungen des Sichtbaren, deren andere Seite die Produktion von Unsichtbarkeit darstellt, durch spezifische Verhältnisse von Texten und Bildern geregelt, die wiederum teilweise lange Traditionen haben.

Dabei beschränkt sich gegenseitige Durchdringung von Sichtbarem und Sagbarem nicht auf traditionelle Text-Bild-Genres (Emblematik, Werbung, Pressefotografie, Comic etc.), sondern betrifft auch die Vorstellung von ›bloßen&lasquo; Bildern oder Texten. So hat ausgerechnet der Literatur- und Bildwissenschaftler W.J.T. Mitchell, auf den das Schlagwort vom »Pictorial Turn« zurückgeht, in verschiedenen Arbeiten zur historischen Konfiguration der Text-Bild-Unterscheidung darauf aufmerksam gemacht, dass monomediale Annahmen über die Bildlichkeit des Bildes oder die Schriftlichkeit der Schrift als höchstens heuristisch hilfreiche, letztlich jedoch unhaltbare Essentialisierungen gelten müssen: »all media are mixed media«. Im Seminar werden sowohl diese These wie gegenläufige Ansätze in enger Verschränkung von Theorielektüre und Materialbezug zur Diskussion stehen.

Literatur: W.J.T. Mitchell, Pictorial Turn [1994]. In: ders., Bildtheorie. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2008, S. 101-135.
Wilhelm Voßkamp/Brigitte Weingart, Sichtbares und Sagbares. Text-Bild-Verhältnisse – Einleitung. In: dies. (Hg.), Sichtbares und Sagbares. Text-Bild-Verhältnisse. Köln: DuMont 2005, S. 7-22.

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Exkursion & Blockseminar: Die 62. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

Übung im Aufbaumodul 1 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2016 [Kommentar]

Vom 5. bis 10. Mai 2016 finden zum 62. Mal die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen statt. Die Exkursion bietet die Gelegenheit, sich anhand aktuellster Kurzfilmproduktionen mit einem der experimentierfreudigsten Formate der Filmarbeit zu beschäftigen. Ein besonderer Akzent des Festivals liegt auf dem Kunstfilm; eigene Wettbewerbe sind Musikvideos und Kinder- und Jugendfilmen gewidmet. Die Vorf¨hrungen werden durch ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Besichtigungen ergänzt. Neben der Ästhetik des Kurzfilms stehen dabei Fragen der Festivalorganisation und der Filmvermarktung zur Diskussion.

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WS 2015

Mega-Stars, Micro-Celebrities – Medienkulturen der Berühmtheit / Media Cultures of Famousness

Vorlesungsreihe im Aufbaumodul 1 (BA Medienkulturwissenschaft) / Studienmodul 1 (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2015 [Kommentar]

Ob es sich um klassische Filmstars handelt, die vom Hollywood-Starsystem mitproduziert wurden, um die alternativen »Superstars«, die Andy Warhol in seiner Factory aufgebaut hat, oder um die »Micro-Celebrities«, die ihre Anhängerschaft dem Internet verdanken: Berühmtheit, unabhängig von ihrer Reichweite, ist (auch) ein Effekt der medialen Bedingungen, unter denen sie entstehen kann. Mit dem Medienwechsel gehen entsprechend radikale Veränderungen in der Beschaffenheit des Celebrity-Status einher: Brachte Warhol seine Prognose einer Demokratisierung von Berühmtheitsansprüchen 1968 noch auf den Slogan »In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes«, so lässt sich eine der gegenwärtig verbreiteten Erscheinungsweisen von Prominenz als »famous for 15 followers« beschreiben.

Die Veranstaltung widmet sich solchen Transformationen von »Celebrity Cultures« aus einer mediengeschichtlichen Perspektive. Gastwissenschaftler/innen aus unterschiedlichen Disziplinen (neben der Medienwissenschaft u.a. Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Anthropologie, Rechtswissenschaft) widmen sich sowohl den historischen Genealogien des Starkults wie aktuellen Facetten von medienvermittelter Öffentlichkeitswirksamkeit. Dabei wird es auch um die Frage gehen, inwiefern sich gegenwärtige, durch digitale Partizipationsstrukturen begünstigte Effekte von Berühmtheit mit den traditionellen Star-Konzepten, wie sie etwa in der Filmwissenschaft erarbeitet wurden, noch erfassen lassen.

Literatur: The Celebrity Culture Reader. Hg. von P. David Marshall. New York: Routledge 2006.

Mega-Stars, Micro-Celebrities: Media Cultures of Famousness [English Version]

Be it the classical film star as produced by the Hollywood star system, one of the alternative »superstars« featured in Andy Warhol?s Factory, or a »micro-celebrity« who owes her following to the Internet: famousness, independent from its scope, is an effect of (among other things) the media conditions under which it emerges. Accordingly, changes of media conditions radically alter the very nature of the celebrity status: While Warhol, when predicting a democratisation of claims for fame in 1968, coined the slogan »In the future, everyone will be famous for 15 minutes«, one of the widely spread forms of celebrity today can be described as »famous for 15 followers«.

The lecture series approaches these transformations of Celebrity Cultures from the perspective of media history. The presentations are dedicated to the historical genealogies of celebrity worship as well as to contemporary facets of public media attention, which are addressed from various disciplines (Media Studies, Literay Studies, Art History, Anthropology, Law). One of the prevalent questions to be asked will be whether the contemporary effects of celebrity, enhanced as it is by digital structures of participation, can still be understood within the traditional concepts of star analysis (as e.g. developed in Film Studies), and how these concepts should be updated.

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Expanded Television – Kunst und Fernsehen (gemeinsam mit Jun.-Prof. Dr. Benjamin Beil)

Übung im Studienmodul 1 (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2015/16 [Kommentar]

Wenn gegenwärtig einerseits häufig vom »neuen Fernsehen« die Rede ist, so stehen diesen Beschwörungen einer lebendigen Zukunft des Mediums andererseits die Diagnosen seines Ablebens gegenüber: Diesen zufolge wäre das einstige Leitmedium längst zu einem »Medienleitfossil« (Goedart Palm) mutiert, vom Internet aus dem medialen Aufmerksamkeitsfokus verdrängt. Und doch gibt es offenbar gute Gründe, die vermeintliche Auflösung des Mediums unter Bedingungen seiner digitalen Entgrenzung noch unter der Bezeichnung Fernsehen zu verhandeln – als »Television after TV« (Lynn Spigel/Jam Olsson) zum Beispiel. Das Fernsehen, das im neuen digitalen Medienverbund aufgeht, wird zum Transmedia Television oder zum Television 2.0; der vertraute Television-Flow mutiert im Post TV zum Hyperflow.

Es spricht also einiges dafür, die Diagnose vom Ende des Fernsehens, die sich häufig implizit auf die plakative Vorstellung vom Wohnzimmer-Apparat bezieht, mit den diversen Erweiterungen und produktiven Auflösungserscheinungen zu konfrontieren, die keineswegs erst mit den gegenwärtigen Entwicklungen des Fernsehens innerhalb einer digital geprägten Convergence Culture einsetzen. In genau diesem Sinne hat sich Gene Youngblood, der die medienübergreifenden Kunstpraktiken seiner Zeit 1970 mit seinem Konzept des Expanded Cinema auf den Begriff brachte, in seinem gleichnamigen Buch auch zum Fernsehen geäußert: »Television is the software of the earth. Television is invisible. It?s not an object. It?s not a piece of furniture. The television set is irrelevant to the phenomenon of television.«

Im Einklang mit dieser ihrerseits visionären Vorstellung von »Television« hat insbesondere das von Künstler/innen »selbst gemachte«, das Do-it-yourself-Fernsehen Praxisformen hervorgebracht, die man – unter Rekurs auf eine Unterscheidung von René Berger – zum einen als Mikrofernsehen, zum anderen als experimentelle Interventionen im Kontext des Makrofernsehens auffassen kann. So eröffnen vor allem die von Künstler/innen im 21. Jahrhundert entwickelten DIY-Sendeformen partizipative, soziale, politische und technologische Alternativen zum Mainstream.

Die Übung widmet sich sowohl Gegenwartsanalysen eines Mediums im Wandel wie auch (medien-)historischen Lesarten und künstlerischen Reflexionen eines Expanded Television. Sie führt Positionen und Werke von Medientheoretiker/innen und Medienkünstler/innen zusammen, die sich insbesondere mit der Verschiebung der klassischen Kategorien des TV-Konsums seit den 1990er Jahren auseinandersetzen: mit der Entkoppelung von der Zeit- und Ortsbindung der Rezeption, mit den verschwimmenden Grenzen zwischen Makro-, Meso- und Mikrofernsehen, mit der Wandlung des Konsumenten zum Prosumenten mit eigener Medienkompetenz, mit der Rückkoppelung von Broadcast TV und Social Media (Second Screen) als neuer Form der Live-Interaktion.

Die Übung ist angegliedert an die Ausstellung TELE-GEN – Kunst und Fernsehen (Kunstmuseum Bonn, 1.10.2015-17.1.2016) sowie das begleitende Symposium »Expanded Television«, das am 15.-16. Januar 2016 im Kunstmuseum Bonn und an der Universität zu Köln stattfinden wird. Im Rahmen der Veranstaltung ist ein Ausstellungsbesuch vorgesehen. Die Teilnahme am Symposium ist obligatorisch.

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Pop-Theorie

Blockseminar im Studienmodul 1 (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2015/16 [Kommentar]

›Pop‹ – das stand zumindest in den späten 1950er und 60er Jahren für die programmatische Überschreitung der Grenzen zwischen zwischen etablierter und niedriger Kunst, zwischen gutem und schlechtem Geschmack und nicht zuletzt zwischen ›Europa‹ und ›Amerika‹. Aber was unterscheidet – damals und heute – ›Pop‹ vom ›Populären‹? Wie verhalten sich beide Konzepte zu denen der ›Populär-‹ und ›Massenkultur‹? Und in welchen Formen wird – seit einigen Jahrzehnten auch innerhalb von academia – über solche Fragen nachgedacht und Pop-Theorie im doppelten Sinne betrieben (nämlich mitunter Theorie selbst als ›Pop‹)?

Literatur: Christoph Jacke, Jens Ruchatz, Martin Zierold (Hg.), Pop, Populäres und Theorien. Forschungsansätze und Perspektiven zu einem prekären Verhältnis in der Medienkulturgesellschaft. Münster: Lit-Verlag, 2011 (Populäre Kultur und Medien Bd. 2). – Texte zur Theorie des Pop. Hg. von Charis Goer, Stefan Greif und Christoph Jacke. Stuttgart: Reclam 2013. – Diedrich Diederichsen, Über Pop-Musik. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2014.

Kino und Migration

Seminar im Aufbaumodul 3 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2015/16 [Kommentar]

Nicht nur in der aktuellen Tagesberichterstattung ist das Thema Migration allgegenwärtig. Auch im gegenwärtigen deutschen Kino sind Filme von Regisseur/innen und Darsteller/innen mit ›Migrationshintergrund‹ – spätestens seit dem internationalen Erfolg von Fatih Akins GEGEN DIE WAND (2004) – längst keine Randerscheinung mehr. Doch bereits seit den 1960er Jahren werden in Deutschland Filme produziert, die die Migrationserfahrung insbesondere sogenannter ›Gastarbeiter‹ zum Thema haben.

Das Seminar widmet sich diesen filmgeschichtlichen Tendenzen anhand ausgewählter Beispiele – von frühen sozialrealistischen ›Problemfilmen‹ über die Melodramen Akins bis zu Komödien wie ALEMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND (2011) –, wobei ein Schwerpunkt auf dem türkisch-deutschen Kino liegt. Neben den Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Kontext wird dabei vor allem das Verhältnis zwischen Konstruktionen von ›Ethnizität? und den Verfahren filmischer Repräsentation zur Debatte stehen.

Die Teilnahme setzt die Bereitschaft voraus, für jede Sitzung neben der Lektüre der Forschungsliteratur einen Film zu sichten.

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SS 2015

»The medium is the massage«? – Fragen und Perspektiven kulturwissenschaftlicher Medientheorie

Vorlesung im Basismodul 2 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2015 [Kommentar]

»The medium is the message«: Unter anderem diesem vielzitierten Statement aus seinem Buch Understanding Media (1964) verdankt sich der Ruf Marshall McLuhans als eines Diskursbegründers der Medientheorie. The Medium Is the Massage: Im Titel seines 1967 gemeinsam mit dem Grafikdesigner Quentin Fiore publizierten Text-Bild-Bands ist McLuhans ›Botschaft‹ bereits zur handfesten Berührung mutiert, zur ›Massage‹.

Ausgehend von der Diagnose, dass Medien massive Auswirkungen auf das menschliche Sensorium haben, gibt die Vorlesung einen Überblick über theoretische Ansätze (vor und nach McLuhan), die sich um eine historische Spezifizierung dieses Befunds bemühen und Medien- mit Wahrnehmungstheorie verbinden. Der Fokus liegt dabei zum einen auf den unterschiedlichen Bemühungen, die Effekte jeweils neuer Medien (vom Buchdruck über Fotografie und Film bis zu digitalen Technologien) zu beschreiben. Zum anderen wird die Verschiebung von der Analyse von Einzelmedien hin zu medienübergreifenden Konstellationen (Stichwort Inter- und Transmedialität) zu diskutieren sein – und damit ein Perspektivwechsel, der für das theoretische Selbstverständnis aktueller Medienkulturwissenschaft als zentral gelten kann.

Literatur: Quentin Fiore/Marshall McLuhan, The Medium Is the Massage: An Inventory of Effects. New York u.a.: Bantam Books 1967; Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, hg. von Oliver Fahle, Claus Pias, Joseph Vogl, Lorenz Engell und Britta Neitzel. 6. Aufl., München: DVA 2008.

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Star Studies (in English)

Seminar im Master-Modul 4 (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2015 [Kommentar]

How one comes to be perceived as a »star« changes with the media conditions of public reception (and so do fan cultures). In this class we will discuss the specificities of contemporary »Celebrity Culture« against the background of its media-related genealogy. We will be dealing with historical approaches to understanding the construction of fame; notions of ›inexplicable‹ appeal (e.g. charisma, aura, glamour); analyses of the Hollywood star system and alternative ›superstardom‹; the seeming democratisation of celebrity enhanced by mass media and digital culture.

Subjects of discussion in this reading class will extend to audiovisual materials that can themselves be regarded as implicit theories of stardom.

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Ansteckend! – Medien und Epidemien

Seminar im Master-Modul 2 (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2015 [Kommentar]

Wenn irgendwo auf der Welt eine Seuche ausbricht, die auf ›uns‹ überzugreifen droht, macht sich die konstitutive Beteiligung von Medien an dem, was sie vermitteln, auf besonders auffällige Weise bemerkbar: Die epidemische Logik medialer Diskurse und Praktiken konvergiert in diesem Fall auf eigentümliche Weise mit der ihres Gegenstands.

Ausgehend von der Berichterstattung über die jüngste Ebola-Epidemie widmet sich das Seminar historischen wie aktuellen Verfahren der Seuchendarstellung, die aus einer medienübergreifenden Perspektive in den Blick genommen werden. Schwerpunkte der Diskussion liegen auf der Frage nach der Popularisierung wissenschaftlicher Befunde (Journalismus, Populärwissenschaft, Präventionskampagnen) sowie nach den spezifischen Verhältnissen von Fiktion und Dokumentation, die sich im Kontext transmedial verbreiteter Seuchendramaturgien (etwa am Beispiel des »Virenthrillers«) beobachten lassen.

Exkursion & Blockseminar: Die 61. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

Übung im Aufbaumodul 1 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2015 [Kommentar]

Vom 30. April bis 5. Mai 2015 finden zum 61. Mal die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen statt. Die Exkursion bietet die Gelegenheit, sich anhand aktuellster Kurzfilmproduktionen mit einem der experimentierfreudigsten Formate der Filmarbeit zu beschäftigen. Ein besonderer Akzent des Festivals liegt auf dem Kunstfilm; eigene Wettbewerbe sind Musikvideos und Kinder- und Jugendfilmen gewidmet. In diesem Jahr gibt es ein Themenprogramm über »Das Dritte Bild – 3D-Kino als Experiment«. Die Vorführungen werden durch ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Besichtigungen ergänzt. Neben der Ästhetik des Kurzfilms stehen dabei Fragen der Festivalorganisation und der Filmvermarktung zur Diskussion.

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WS 2014

Berührung auf Distanz: Mediengeschichte der Faszination

Vorlesung im Aufbaumodul 1/2 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2014 [Kommentar]

Wenn heutzutage jemand behauptet, von etwas ›fasziniert‹ zu sein, dann bezieht sich dies zumeist auf eine ›unerklärliche Anziehung‹, die von einem bestimmten Objekt oder einer Person ausgeht und damit auf eine eher positive Erfahrung. Das war nicht immer so: Der Begriff der Faszination stammt ursprünglich aus dem Bereich der Magie und bezog sich bis zur Aufklärung auf Phänomene der ›visuellen Bezauberung‹ – insbesondere auf den ›bösen Blick‹, also auf eine Form von Schadenszauber mit mitunter tödlichem Ausgang.

Ausgehend von dieser eigenwilligen Begriffsgeschichte widmet sich die Vorlesung den historischen und aktuellen Versuchen, Faszination – als rätselhafte ›Fernwirkung‹ – als Effekt medialer Vermittlung zu begreifen. Das Spektrum der behandelten Themen reicht von Modellierungen des Blicks als eines buchstäblichen ›Kontakts‹ in vormodernen Sehtheorien über Szenarien der ›Augentäuschung‹ und ›Verblendung‹ in der Mediengeschichte der optischen Magie bis zu gegenwärtigen Diskursen über das ›gewisse Etwas‹ im Verhältnis zwischen Stars und Fans. Auch verwandte Konzepte wie Charisma, Glamour oder Fetischismus werden zu berücksichtigen sein.

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»If it doesn’t spread, it’s dead«: Rumors, Memes, and other Forms of Viral Communication (in English)

Lektürekurs im Basismodul 3 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2014 [Kommentar]

Word has got around...: The circulation of rumors and hearsay is by no means hindered by the fact that one doesn’t know where they come from and whether or not they are true – on the contrary. It is exactly the lack of official confirmation which keeps rumors ›alive‹, since passing them on – and be it in invisible quotation marks – means participating in some kind of collective argument. Once out in the world, rumors tend to be survivalists and can hardly be withhold from spreading – and any denial risks raising more public attention: »no smoke without fire«.

Given these quasi-biological characteristics, it comes as no surprise that long before »going viral« became an everyday expression in digital culture, concepts of rumors relied heavily on epidemic imagery: Rumors are ›infectious‹, they spread ›like wildfire‹, they ›mutate‹, they tend to be ›ineradicable‹ and become the object of ›containment‹, and even scientific research adopts epidemological models to simulate their behaviour.

Of course, it is exactly this survivalist persistence which can be turned into a ›positive‹ quality – not least from an economical perspective, focussing on new target groups and markets. As a consequence, the structural analogies between rumors and ›media viruses‹ or ›memes‹ extend to their common assessment as a means of counter-cultural, subversive agency which is always at risk of being coopted for mainstram agendas (including political economic cooptation).

In the seminar we will try to relate the cultural and media history of rumor – as well as the theoretical attempts to pin down the notorously evasive phenomenon – to contemporary media practices of viral communication. Starting with the mythological figure of fama as described by Ovid, we will discuss sociological and psychological approaches to the communication of rumors. A second perspective will be dedicated to representations of rumor in audiovisual media (e.g. M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER, CITIZEN KANE). A third will focus on the idea of the »meme«, its manifestations in the Internet and its theoretical background.

Literature: Jean-Noël Kapferer, Rumors: Uses, Interpretations, and Images. New Jersey: Transaction Publ. 1990 – Douglas Rushkoff, Media Virus: Hidden Agendas in Popular Culture. New York: Ballantine 2004 – Henry Jenkins, Sam Ford, and Joshua Green, Spreadable Media: Creating Value and Meaning in a Networked Culture. New York: New York University Press 2013.

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Wie man (k)eine Geschichte erzählt: Narration in Literatur und Film

Übung (Blockseminar) im Aufbaumodul 1 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2014 [Kommentar]

Geschichten haben einen eigenartigen Bezug zu den Medien und Zeichensystemen, mittels derer sie erzählt werden: Einerseits sind sie davon unabhängig genug, um sich vom einen ins andere äbertragen zu lassen und – Stichwort transmedia storytelling – über Mediengrenzen hinweg im Buch, Comic, Film, Fernsehen oder Computerspiel zu zirkulieren. Andererseits lässt sich eine Geschichte nicht vollständig vom jeweiligen Medium des Erzählens abstrahieren, da jede Wiedergabe eines Geschehens zwangsläufig den gewählten medialen Bedingungen und Möglichkeiten unterworfen ist (wie die systematischen Schwierigkeiten z.B. der Nacherzählung, der Übersetzung und der Literaturadaption auf je verschiedenen Ebenen verdeutlichen).

Ziel des Blockseminars ist es, am Beispiel literarischer und filmischer Narration eine Beschreibungssprache zu erarbeiten, mit der sich sowohl medienspezifische wie medienübergreifende Verfahren und Strukturmuster des Erzählens bestimmen lassen. Das beinhaltet zunächst eine Auseinandersetzung mit den einschlägigen analytischen Kategorien der literatur- und filmwissenschaftlichen Erzählforschung und deren Anwendung auf ausgewählte literarische und filmische Beispiele. Dabei wird der Vergleich von traditionell-realistischen (linearen) Erzähltechniken und post-/modernen Verfahren der Diskontinuität eine wesentliche Rolle spielen. Außerdem beschäftigen wir uns, u.a. anhand von Drehbuch-Ratgebern, mit den normativen Varianten der Narrationsanalyse, die aus erzählerischen Erfolgsmodellen Rezepte für eine ›gute Story‹ ableiten – aber auch mit Versuchen, solchen Erzählkonventionen entgegenzuarbeiten.

Literatur: Matias Martinez/Michael Scheffel, Einführung in die Erzähltheorie, 7. Aufl., München: Beck 2007 – David Bordwell, Narration in the Fiction Film. Madison: The University of Wisconsin Press 1985 – Michaela Krützen, Dramaturgie des Films. Wie Hollywood erzählt. Frankfurt/M.: Fischer 2004 – Dramaturgien des Films. Das etwas andere Hollywood. Frankfurt/M: Fischer Verlag 2010.

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»Histoire(s) du cinéma«: Reflexives Kino

Übung im Mastermodul 1 (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, WS 2014 [Kommentar]

Filmen, die die medialen Verfahren und Voraussetzungen der Filmproduktion explizit zum Thema machen, wird seitens der Filmwissenschaft und -kritik häufig zugute gehalten, dass sie auch ihre Zuschauer/innen zur Reflexion anregen. In guter Brechtscher Tradition wird die als solche ausgestellte Selbstreflexion gerne als eine Form von Verfremdungseffekt ausgelegt, dessen illusionsstörende Wirkung per se eine kritische Distanz befördert.

Spätestens mit der Allgegenwart reflexiver Verfahren auch im sogenannten »Mainstream«-Film zeigt sich jedoch, dass dieser interpretatorische Reflex zu kurz greift. Das Seminar zielt darauf ab, andere Perspektiven zu entwickeln, was nicht zuletzt beinhaltet, in Auseinandersetzung mit einschlägigen theoretischen Ansätzen (Apparatus-/Enunziationstheorie, Narratologie) eine differenzierte Beschreibungssprache zu erarbeiten, mit der sich die unterschiedlichen Reflexionsmomente (Zeigen des Dispositivs, Rahmen und Spiegelungen, metaleptische Erzählweisen etc.) und Kontexte (Studiosystem, Independent Film, Genrefragen, historisch-soziale Bedingungen) präzise bestimmen lassen.

Diskutiert werden u.a. DER MANN MIT DER KAMERA (Dziga Vertov, 1929), SUNSET BLVD. (Billy Wilder, 1950), 8 ½ (Federico Fellini, 1963), LA NUIT AMÉRICAINE (François Truffaut), WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE (Rainer Werner Fassbinder), SYMBIOPSYCHOTAXIPLASM, TAKE ONE (William Greaves, 1968), SALAAM CINEMA (Mohsen Makhmalbaf, 1995), SCHNITTSTELLE (Harun Farocki, 1995), HISTOIRE(S) DU CINÉMA (Jean-Luc Godard, 1988-1998), ADAPTATION (Spike Jonze, 2002), SEX IS COMEDY (Catherine Breillat, 2002), BE KIND REWIND (Michel Gondry, 2008) – eine für Vorschläge der Seminarteilnehmer/innen offene Liste. Teil der Veranstaltung ist ein regelmäßiger Sichtungstermin (voraussichtlich Montag abend).

Literatur: Christian Metz, Die unpersönliche Enunziation oder der Ort des Films. Münster: Nodus 1997 – Chistopher Ames, Movies About the Movies. Hollywood Reflected. Lexington: University of Kentucky Press 1997 – Robert Stam, Reflexivity in Film and Literature. From Don Quixote to Jean-Luc Godard. New York: Columbia University Press 1992.

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SS 2014

»The medium is the massage«? – Fragen und Perspektiven kulturwissenschaftlicher Medientheorie

Vorlesung im Basismodul 2 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2014 [Kommentar]

»The medium is the message«: Unter anderem diesem vielzitierten Statement aus seinem Buch Understanding Media (1964) verdankt sich der Ruf Marshall McLuhans als eines Diskursbegründers der Medientheorie. The Medium Is the Massage: Im Titel seines 1967 gemeinsam mit dem Grafikdesigner Quentin Fiore publizierten Text-Bild-Bands ist McLuhans ›Botschaft‹ bereits zur handfesten Berührung mutiert, zur ›Massage‹.

Ausgehend von der Diagnose, dass Medien massive Auswirkungen auf das menschliche Sensorium haben, gibt die Vorlesung einen Überblick über theoretische Ansätze (vor und nach McLuhan), die sich um eine historische Spezifizierung dieses Befunds bemühen und Medien- mit Wahrnehmungstheorie verbinden. Der Fokus liegt dabei zum einen auf den unterschiedlichen Bemühungen, die Effekte jeweils neuer Medien (vom Buchdruck über Fotografie und Film bis zu digitalen Technologien) zu beschreiben. Zum anderen wird die Verschiebung von der Analyse von Einzelmedien hin zu medienübergreifenden Konstellationen (Stichwort Inter- und Transmedialität) zu diskutieren sein – und damit ein Perspektivwechsel, der für das theoretische Selbstverständnis aktueller Medienkulturwissenschaft als zentral gelten kann.

Literatur: Quentin Fiore/Marshall McLuhan, The medium is the massage: An inventory of effects. New York u.a.: Bantam Books 1967; Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, hg. von Oliver Fahle, Claus Pias, Joseph Vogl, Lorenz Engell und Britta Neitzel. 6. Aufl., München: DVA 2008.

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»Deeply superficial«: Andy Warhol as Media Artist (in English)

Übung im Aufbaumodul 1 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2014 [Kommentar]

›Media Art‹ is a somewhat problematic term, since there is no artistic expression which isn’t shaped by its media conditions. Nevertheless, it tends to be applied to a kind of artistic production which reflects these conditions and explicitly exposes the impact of the – usually electronic and nowadays digital – media involved on the production of meaning. This certainly applies to the multifaceted oeuvre of Andy Warhol, who could be considered as the ultimate media artist, since he tended to let media do the work for him: silk screens, cameras, tape machines, and last but not least human devices. Both in his programmatic statements and in his actual production, Warhol cultivated the impression of a mere transmitter of prexisting signscapes, who made paintings by just reproducing mass media imagery, films by turning on a camera, and books by taping and transcribing conversations or phone calls.

The seminar will discuss these seemingly authorless, de-subjectified media practices – reproduction, serializiation, ›mere‹ recording (as opposed to ›directing‹), transcription etc. – by placing them in the wider context of collective creativity, as exhibited in Warhol’s Factory. From this perspective, topics to be dealt with include the vision of an alternative ›off Hollywood‹ star system, gender politics, the anticipation of ›reality TV‹, and gossip.

If the participants are interested, the seminar might include an excursion to Frankfurt to visit a part of the Lecture & Film series Easier than Painting: Die Filme von Andy Warhol, Deutsches Filminstitut/Filmmuseum Frankfurt [program as PDF]

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Medienästhetik mit Roland Barthes

Übung im Aufbaumodul 1 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2014 [Kommentar]

Der französische Semiologe und Kulturwissenschaftler Roland Barthes hat sich in seinen Schriften mit den verschiedensten Medien befasst: mit Texten und deren Verhältnis zu Bildern (etwa in der Werbung), mit Fotografie, Film, Theater und Musik, mit der Stimme und der Mode zum Beispiel. Dabei kennzeichnet Barthes– Herangehensweise nicht nur die Bereitschaft, das am Modell der Sprache geschulte zeichentheoretische Paradigma zu überschreiten, um dem Rechnung zu tragen, was sich der Analogie zur sprachlichen Codierung zu entziehen scheint (etwa der »dritte Sinn« eines Filmbilds, das »punctum« einer Fotografie, die »Körnigkeit« der Stimme). In seinen Annäherungsversuchen an solche analytischen ›Überschüsse‹ entwickelt Barthes überdies eine je eigene – und oft eigentümliche – Terminologie, die sich gleichwohl für vergleichbare medienästhetische Phänomene produktiv machen lässt.

In der Übung wird uns außer Barthes? analytischem Instrumentarium auch die Frage beschäftigen, inwiefern seiner Schreibweise – der etwa Jacques Derrida eine besondere »Geschmeidigkeit« und »Frische« attestiert hat – eine konstitutive Funktion für seine medienästhetischen Befunde zukommt. Damit verknüpft ist die grundsätzlichere Frage nach den theoretischen Bedingungen von (Medien-)Ästhetik als Wissenschaft, wie sie Barthes in seinem Fotografie-Buch Die helle Kammer aufgeworfen hat: »warum sollte nicht etwas wie eine neue Wissenschaft möglich sein, die jeweils vom einzelnen Gegenstand ausginge?« Wenn Barthes in diesem Zusammenhang anstelle des traditionellen Konzepts der mathesis universalis als einer universellen Erkenntnismethode den Begriff der »mathesis singularis« ins Spiel bringt, so stellt er damit eine Lesart auch seiner früheren Texte in Aussicht, die in der Übung zu erproben sein wird.

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Exkursion & Blockseminar: Die 60. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

Übung im Aufbaumodul 1 (BA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2014 [Kommentar]

Vom 1.-6.5.2014 finden zum 60. Mal die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen statt. Die Exkursion bietet die Gelegenheit, sich anhand aktuellster Kurzfilmproduktionen mit einem der experimentierfreudigsten Formate der Filmarbeit zu beschäftigen. Ein besonderer Akzent des Festivals liegt auf dem Kunstfilm; eigene Wettbewerbe sind Musikvideos und Poetry Clips gewidmet. Die Vorführungen werden durch ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Besichtigungen ergänzt. Neben der Ästhetik des Kurzfilms werden dabei Fragen der Festivalorganisation und der Filmvermarktung zur Diskussion stehen.

Wegen thematischer Überschneidungen empfiehlt sich die Kombination dieser Übung mit dem AM1-Seminar »Deeply superficial«: Andy Warhol as Media Artist, die aber nicht obligatorisch ist.

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Sichtbares und Sagbares. Text-Bild-Verhältnisse

Seminar im Master-Modul 2 (MA Medienkulturwissenschaft), Institut für Medienkultur und Theater, Universität Köln, SS 2014 [Kommentar]

Mit der seit den 1990er Jahren in den Kulturwissenschaften weit verbreiteten Diagnose eines »Pictorial Turn« geht die Forderung nach einer Erweiterung des Bildbegriffs einher, der sich nicht länger auf ›Kunstwerke‹ im klassischen Sinne zu beschränken habe. Doch die visuelle Kultur der Gegenwart ist auch mit der Feststellung einer Wende zu den Bildern, bei der die vielfältigen medialen Erscheinungsweisen des Visuellen berücksichtigt werden, noch unzureichend beschrieben. Vielmehr werden die jeweils herrschenden Ordnungen des Sichtbaren, deren andere Seite die Produktion von Unsichtbarkeit darstellt, durch spezifische Verhältnisse von Texten und Bildern geregelt, die wiederum teilweise lange Traditionen haben.

Dabei beschränkt sich gegenseitige Durchdringung von Sichtbarem und Sagbarem nicht auf traditionelle Text-Bild-Genres (Emblematik, Werbung, Pressefotografie, Comic etc.), sondern betrifft auch die Vorstellung von ›bloßen‹ Bildern oder Texten. So hat ausgerechnet der Literatur- und Bildwissenschaftler W.J.T. Mitchell, auf den das Schlagwort vom »Pictorial Turn« zurückgeht, in verschiedenen Arbeiten zur historischen Konfiguration der Text-Bild-Unterscheidung darauf aufmerksam gemacht, dass monomediale Annahmen über die Bildlichkeit des Bildes oder die Schriftlichkeit der Schrift als höchstens heuristisch hilfreiche, letztlich jedoch unhaltbare Essentialisierungen gelten müssen: »all media are mixed media«. Im Seminar werden sowohl diese These wie gegenläufige Ansätze in enger Verschränkung von Theorielektüre und Materialbezug zur Diskussion stehen.

Einführende Literatur: W.J.T. Mitchell, Pictorial Turn [1994], in: Christian Kravagna (Hg.), Privileg Blick. Kritik der visuellen Kultur. Berlin: Edition ID-Archiv 1997, S. 15-40 (auch in: W.J.T. Mitchell, Bildtheorie, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2008). – Wilhelm Voßkamp/Brigitte Weingart, »Sichtbares und Sagbares. Text-Bild-Verhültnisse – Einleitung«, in: dies. (Hg.), Sichtbares und Sagbares. Text-Bild-Verhältnisse. Köln: DuMont 2005, S. 7-22 [gesamtes Buch als PDF]

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2010

Das gewisse Etwas. Faszination, Stars und Fans in Literatur und Film

Übung im MA-Modul ›Mediendifferenz im historischen Prozess‹, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2010 [Kommentar]

»Faszination« ist ein Begriff, der ursprünglich dem Bereich der Magie entstammt und sich lange Zeit vor allem auf eine ›visuelle Verzauberung‹ (etwa durch den bösen, aber auch den erotischen Blick) und ›Verblendung‹ bezog. Sein archaisches Erbe hat das Wort auch im Zuge der Aufklärung nicht vollständig abgelegt: Noch heute verweist Faszination auf eine ›magische‹, ebenso unerklärliche wie unüberwindliche Anziehungskraft, die von einer Person oder einem Gegenstand ausgeht. Kein Wunder, dass der Begriff in solchen Diskursen eine zentrale Rolle spielt, die sich ihrerseits auf einen kulturellen und medialen Schauplatz angeblicher Archaismen, Ersatzreligionen und Irrationalitäten beziehen: In Texten über Stars, Fans und ihre Verhältnisse ist von Faszination nicht nur ständig die Rede; hier wird der ansonsten häufig gerade zur ›Reflexionsunterbrechung‹ eingesetzte Begriff mitunter auch reflektiert und sogar theoretisch produktiv gemacht.

In der Übung widmen wir uns einigen einschlägigen historischen Versuchen, jenes »gewisse Etwas«, das vom Faszinosum aus- und auf den Faszinierten übergeht, sprachlich und medial einzuholen – theoretisch (Psychoanalyse/Kulturtheorie, Religionswissenschaft, Medienästhetik) sowie in exemplarischen literarischen Texten und Filmen. Auch verwandte Begriffe wie Charisma, Glamour oder Fetischismus werden zu berücksichtigen sein.

Diskutiert werden Texte u.a. von Theodor Adorno/Max Horkheimer, Roland Barthes, Sigmund Freud, Irmgard Keun, Jacques Lacan, Thomas Mann, Ovid, Ludwig Tieck und Max Weber und Filme u.a. von Alfred Hitchcock, Charlie Chaplin, Leni Riefenstahl, Joseph von Sternberg, Billy Wilder und Andy Warhol.

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Medien und Magie: Geschichte und Ästhetik der visuellen ›Verzauberung‹

Übung im Modul ›Kultur und Medien: Geschichte und Konzepte‹, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2010 [Kommentar]

Nicht nur in seinen Anfängen wurde dem Kino häufig zugeschrieben, dass es den Zuschauer ›verzaubert‹. Wie die Medien- und Kulturgeschichte des Films zeigt, handelt es sich dabei nicht notwendig um eine Metapher. Bereits das Beispiel der »Laterna magica« als Vorform des Filmprojektors verdeutlicht, dass die Entwicklung des Kinos mit der Geschichte der optischen Magie aufs engste verknüpft ist.

Dieser historische Zusammenhang wird in der Übung anhand ausgewählter Beispiele rekonstruiert. Dabei liegt der Akzent auf Texten und vor allem Filmen, die eigenes Verhältnis zur optischen Magie nicht nur thematisieren, sondern auch formal reflektieren (etwa durch medienspezifische Verfahren der Illusionierung). Thematische Schwerpunkte sind u.a.: frühneuzeitliche Traktate zur optischen Magie; literarische Illusionierung und optische Täuschung um 1800; die Spezialeffekte der (Geister-)Fotographie; Méliès’ Zaubershows und Kinematographen-Filme; ›hypnotische‹ Stummfilme; Zauber und Zauberer im Hollywood-Film (z.B. »Prestige«). Die Veranstaltung bietet damit auch die Gelegenheit, sich einen ersten mediengeschichtlichen überblick zu verschaffen.

Literatur: Bodo von Dewitz/Werner Nekes (Hg.), Ich sehe was, was Du nicht siehst! Sehmaschinen und Bilderwelten. Die Sammlung Werner Nekes, Göttingen: Steidl Verlag 2002. – Simon During, Modern Enchantments. The Cultural Power of Secular Magic, Cambridge, Mass. [u.a.]: Harvard University Press 2002 –. Marina Warner, Phantasmagoria: Spirit Visions, Metaphors, and Media Into the Twenty-first Century, Oxford: Oxford University Press 2006.

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2009

Praktiken des Sekundären: Aneignung, Zitat, Parodie

Übung im MA-Modul ›Konzepte und Probleme von Literatur- und Medientheorie‹, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, WS 2009/10 [Kommentar]

Als »Praktiken des Sekundären« werden in dieser Übung literarische und mediale Verfahren in den Blick genommen, die die Unterscheidung von Original (als dem Primären) und Kopie (als dem ›nur‹ Sekundären) systematisch verkomplizieren. Dem Begriff der Parodie zum Beispiel ist diese Komplikation bereits eingeschrieben: Im Griechischen steht die Vorsilbe par/a sowohl für »dagegen« wie für »daneben«; sie markiert ein Verhältnis, das gleichzeitig von Nähe und Distanz, von Ähnlichkeit und Differenz gekennzeichnet ist. Entsprechend klingt in dem Wort Parodie sowohl der Neben- wie der Gegengesang an: Parodien beziehen sich – in der Regel in der ›parasitären‹ Form des Zitats – auf eine Vorlage. Sie sind Kopien eines Originals, die gezielt auf Abweichung setzen, auch wenn das Original als solches erkennbar bleiben muß. Parodien sind ebenso von ihrem ›Wirtstext‹ abhängig, wie sie darauf zurückwirken (etwa wenn sie dessen Originalitätsanspruch stören, indem sie sich darüber lustig machen).

In der Übung werden die Beziehungen zwischen Original und Kopie bzw. zwischen Wirt und Gast, wie sie die Vorsilbe par/a benennt, genauer untersucht – und zwar nicht zuletzt im Blick auf die hier ausgetragenen Machtverhältnisse. Vorgesehen ist, die Verfahren der Aneignung, des Zitierens und Parodierens aus einer medienübergreifenden Perspektive zu diskutieren – am Beispiel etwa der Zitatmontagen in der Pop-Literatur, der Bildaneignung in Pop Art, Appropriation Art und im Film, der Geschlechterparodie sowie der afro­amerikanische Kulturtechnik des Signifyin’. Gelesen werden Texte u.a. von Bertolt Brecht (Stichwort: V-Effekt), Walter Benjamin (Reproduktion und Aura), Judith Butler (Gender-Parodie) und Henri Louis Gates jr. (Signifyin’).

Teil der Übung sind ca. 4 Filmtermine am Mittwochabend; SeminarteilnehmerInnen, die diese Termine nicht wahrnehmen können, müssen sich die Filme anderweitig besorgen. Sofern sie nicht in preisgünstigen Ausgaben erhältlich sind, werden die diskutierten Texte im Internet (per ecampus) zur Verfügung gestellt.

Literaturhinweise: Gisela Fehrmann/Erika Linz/Eckhard Schumacher/Brigitte Weingart (Hg.), Originalkopie. Praktiken des Sekundüren, Köln: DuMont 2004 (darin v.a. die Einleitung der HerausgeberInnen). – Andrea Gutenberg/Ralph J. Poole (Hg.), Zitier-Fähigkeit. Findungen und Erfindungen des Anderen, Berlin: Erich Schmidt 2001.

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Wie man (k)eine Geschichte erzählt: Narration in Literatur und Film

Übung im Modul ›Intermedialität‹, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, WS 2009/10 [Kommentar]

Geschichten haben einen eigenartigen Bezug zu den Medien und Zeichensystemen, mittels derer sie erzählt werden: Einerseits sind sie davon unabhängig genug, um sich vom einen ins andere übertragen zu lassen – etwa von der mündlichen Erzählung in den schriftlichen Text in den Film etc. Andererseits lässt sich eine Geschichte nicht vollständig vom jeweiligen Medium des Erzählens abstrahieren, da jede Wiedergabe eines Geschehens zwangsläufig den gewählten medialen Bedingungen und Möglichkeiten unterworfen ist (wie die systematischen Schwierigkeiten z.B. der Nacherzählung, der Übersetzung und der Literaturverfilmung auf je verschiedenen Ebenen verdeutlichen).

Ziel des Seminars ist es, am Beispiel literarischer und filmischer Narration eine Beschreibungssprache zu erarbeiten, mit der sich sowohl medienspezifische wie medienübergreifende Verfahren und Strukturmuster des Erzählens bestimmen lassen. Das beinhaltet zunächst eine Auseinandersetzung mit den einschlägigen analytischen Kategorien der literatur- und filmwissenschaftlichen Erzählforschung und deren Anwendung auf ausgewählte literarische und filmische Beispiele. Dabei wird der Vergleich von traditionell-realistischen (linearen) Erzähltechniken und post-/modernen Verfahren der Diskontinuität eine wesentliche Rolle spielen. Außerdem beschäftigen wir uns, u.a. anhand von Drehbuch-Ratgebern, mit den normativen Varianten der Narrationsanalyse, die aus erzählerischen Erfolgsmodellen Rezepte für eine ›gute Story‹ ableiten – aber auch mit Versuchen, solchen Erzählkonventionen entgegenzuarbeiten.

Der Filmtermin von 18-20 Uhr ist obligatorischer Bestandteil der Übung.

Sofern sie nicht in preisgünstigen Ausgaben erhältlich sind, werden die diskutierten Texte im Internet (per ecampus) zur Verfügung gestellt.

Zur Anschaffung empfohlen: Matias Martinez/Michael Scheffel, Einführung in die Erzähltheorie, 7. Aufl., München: Beck 2007 (16.90)

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Literatur und Magie

Seminar im Modul ›Literatur seit dem 19. Jahrhundert‹, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2009 [Kommentar]

Was man unter »Magie« zu verstehen hat, lässt sich nicht allgemeingültig bestimmen, sondern ist von der jeweiligen historischen und kulturellen Perspektive abhängig. Im weitesten Sinne bezieht sich der Begriff auf die Arten und Weisen, wie sich Menschen zu Mächten und Kräften ins Verhältnis setzen, die ihre rational abgesicherten Erklärungsmuster übersteigen. Die Literatur hat an diesen rätselhaften Beziehungen nicht nur traditionell ein starkes Interesse, sie lässt sich mitunter selbst den als ›magisch‹ geltenden Kulturtechniken zurechnen.

Gegenstand des Seminars sind entsprechend nicht nur theoretische und literarische Texte ›über‹ Magie, sondern auch und insbesondere solche, die ihrerseits auf den Effekt der verbalen Verzauberung abzielen. Anhand von Texten von Shakespeare, Ludwig Tieck, E.T.A. Hoffmann, Gustav Meyrink, Stéphane Mallarmé, Hugo von Hofmannsthal und Thomas Mann beschäftigen wir uns mit den jeweiligen Poetiken der Verzauberung bzw. des ›Wunderbaren‹ und mit der Idee der ›Sprachmagie‹, aber auch mit den Fragen von Macht und Manipulation, die innerhalb dieser magischen Szenarien verhandelt werden.

Literatur zum Einstieg: Christoph Hein, Von der Magie und den Magiern [1984], in: ders., Johann Wallbergens Sammlung natürlicher Zauberkünste oder aufrichtige Entdeckung verschiedener bewährter, lustiger und nützlicher Geheimnüsse, insbesondere denen Wein-Negozianten dienende, Leipzig-Weimar: Gustav Kiepenheuer 1988, S. 329-350. Auch in: Christoph Hein, Die fünfte Grundrechenart. Essays und Reden 1987-1990, Frankfurt/Main: Luchterhand Verlag 1990. – Yoko Tawada, Spielzeug und Sprachmagie in der europäischen Literatur: eine ethnologische Poetologie. Tübingen: Konkursbuchverlag, 2000. – Robert Stockhammer, Zaubertexte. Die Wiederkehr der Magie und die Literatur 1880-1945, Berlin: Akademie Verlag 2000.

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Optische Magie: Der Zauber visueller Medien

Seminar im Modul ›Medien und Kultur‹, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2009 [Kommentar]

Nicht nur in seinen Anfängen wurde dem Kino häufig zugeschrieben, dass es den Zuschauer ›verzaubert‹. Wie die Medien- und Kulturgeschichte des Films zeigt, handelt es sich dabei nicht notwendig um eine Metapher. Bereits das Beispiel der »Laterna magica« als Vorform des Filmprojektors verdeutlicht, dass die Entwicklung des Kinos mit der Geschichte der optischen Magie aufs engste verknüpft ist.

Dieser historische Zusammenhang wird in der Übung anhand ausgewählter Beispiele rekonstruiert. Dabei liegt der Akzent auf Texten und vor allem Filmen, die ihr eigenes Verhältnis zur optischen Magie nicht nur thematisieren, sondern auch formal reflektieren (etwa durch medienspezifische Verfahren der Illusionierung). Thematische Schwerpunkte sind u.a.: frühneuzeitliche Traktate zur optischen Magie; literarische Illusionierung und optische Täuschung um 1800; die Spezialeffekte der (Geister-)Fotographie; Méliès’ Zaubershows und Kinematographen-Filme; ›hypnotische‹ Stummfilme; Zauber und Zauberer im Hollywood-Film (z.B. »Prestige«). Die Veranstaltung bietet damit auch die Gelegenheit, sich einen ersten mediengeschichtlichen ܜberblick zu verschaffen. 4-stündig (Filmtermin im Anschluss an die Sitzung).

Literatur: Nicole Gronemeyer, Optische Magie. Zur Geschichte der visuellen Medien in der Frühen Neuzeit, Bielefeld: Transcript Verlag 2004. – Simon During, Modern Enchantments. The Cultural Power of Secular Magic, Cambridge, Mass. [u.a.]: Harvard University Press 2002. – Edgar Morin, Der Mensch und das Kino. Eine anthropologische Untersuchung, Stuttgart: Ernst Klett Verlag 1958.

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2008

Bild und Blick um 1800 / Imagery and Eye Contact, 1770-1830

Seminar GERM G4438, Columbia University, Department of Germanic Languages and Literatures, Spring Term 2008 [Kommentar]

Something in the picture is looking back: The impression of being »photo-graphed« by an image, as Jacques Lacan put it, predates both French poststructuralist theory and photography. We encounter its early versions in the numerous scenarios of visual experience as enchantment in late 18th and 19th century literature, aesthetic discourse, and even optical theory.

In our discussion of these texts we will focus on the idea of eye contact as »fascination« – a concept deriving from the realm of magic and superstition, where it refers to the belief in the evil eye – and its conflicting connotations of visual pleasure and mortification: What exactly is it that is (projected onto the object of the look as) »looking back« at a subject (which thereby becomes an object)? And what are the rhetorical means employed to account for media difference, for the translation of the visual into the verbal? By reconstructing this crucial part of the discourse on the »power of images« as reflected in literature, the course aims to shed light on modern aesthetics’ complex relationship with archaic ideas of vision which it, in its modernity, would prefer to locate in »primitive« cultures.

Reading includes texts by Diderot, Winckelmann, Lessing, Herder, Schiller, Goethe, E.T.A. Hoffmann, Tieck, Eichendorff, Merimée, and Balzac, as well as essays on image theory, optical history and on the discourses of magic and superstition (by Lacan, Didi-Huberman, Crary, Seligmann, Freud, and others).

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2007

Wie man (k)eine Geschichte erzählt: Narration in Literatur und Film

Proseminar II, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2007 (zweifach) [Kommentar]

Geschichten haben einen eigenartigen Bezug zu den Medien und Zeichensystemen, mittels derer sie erzählt werden: Einerseits sind sie davon unabhängig genug, um sich vom einen ins andere übertragen zu lassen – etwa von der mündlichen Erzählung in den schriftlichen Text in den Film etc. Andererseits lässt sich eine Geschichte nicht vollständig vom jeweiligen Medium des Erzählens abstrahieren, da jede Wiedergabe eines Geschehens zwangsläufig den gewählten medialen Bedingungen und Möglichkeiten unterworfen ist (wie die systematischen Schwierigkeiten z.B. der Nacherzählung, der Übersetzung und der Literaturverfilmung auf je verschiedenen Ebenen verdeutlichen).

Ziel des Seminars ist es, am Beispiel literarischer und filmischer Narration eine Beschreibungssprache zu erarbeiten, mit der sich sowohl medienspezifische wie medienübergreifende Verfahren und Strukturmuster des Erzählens bestimmen lassen. Das beinhaltet zunächst eine Auseinandersetzung mit den einschlägigen analytischen Kategorien der literatur- und filmwissenschaftlichen Erzählforschung und deren Anwendung auf ausgewählte literarische und filmische Beispiele. Dabei wird der Vergleich von traditionell-realistischen (linearen) Erzähltechniken und post-/modernen Verfahren der Diskontinuität eine wesentliche Rolle spielen. Außerdem beschäftigen wir uns, u.a. anhand von Drehbuch-Ratgebern, mit den normativen Varianten der Narrationsanalyse, die aus erzählerischen Erfolgsmodellen Rezepte für eine ›gute Story‹ ableiten – aber auch mit Versuchen, solchen Erzählkonventionen entgegenzuarbeiten.

Die ca. 5 Filmtermine am Montagabend sind obligatorischer Bestandteil des Seminars.

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2006

Vom Hörensagen: Gerüchte

Proseminar I, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, WS 2006/07 [Kommentar]

»Es hat sich herumgesprochen«: Gerüchte sind Botschaften, deren Verbreitung paradoxerweise nicht davon beeinträchtigt wird, daß man nicht genau weiß, wo sie herkommen und ob sie wirklich stimmen – im Gegenteil. Gerade daß sie unbestätigt sind, hält die Zirkulation dieser Nachrichten und ihre kollektive Erörterung im Gang. Und einmal in die Welt gesetzt, ist ein Gerücht auch durch die Richtigstellung – die immer riskiert, es erneut zu aktualisieren – nicht notwendig stillgelegt: »Kein Rauch ohne Feuer«. Kein Wunder, daß nicht nur einschlägige Redewendungen (Gerüchte sind ›ansteckend‹, verbreiten sich ›wie im Flug‹ oder ›wie ein Lauffeuer‹, ›mutieren‹ und sind ›nicht auszurotten‹), sondern auch die Wissenschaften auf epidemische Metaphern und Modelle zurückgreifen, um das wenig griffige Phänomen zu erfassen.

Im Seminar beschäftigen wir uns zunächst mit unterschiedlichen Versuchen, die implizite Logik dieser Kommunikationsform auf den Begriff zu bringen. Ausgehend von den Darstellungen der mythologischen Figuren Fama bzw. Pheme widmen wir uns soziologischen, psychologischen und ethnologischen Erklärungsmodellen; nicht zuletzt werden hier Überschneidungen und Unterschiede zum Klatsch, den ein stärkerer Personenbezug kennzeichnet, herauszuarbeiten sein. Außerdem werden die Befunde der literaturwissenschaftlichen Erzähl- und Zitatforschung auf ihre Übertragbarkeit auf Gerücht und Klatsch überprüft.

Im zweiten Teil des Seminars geht es um literarische und filmische Schreib- bzw. Erzählweisen des Gerüchts, also um Versuche, der Logik des Gerüchts durch entsprechende Darstellungsverfahren Rechnung zu tragen. Hier werden literarische Texte (von den Anekdoten Kleists über Wilhelm Raabes Erzählungen vom Hörensagen bis zu den Zitatmontagen der Popliteratur) sowie Filme (u.a. »M – Eine Stadt sucht einen Mörder«; »Citizen Kane«; »Gossip«) zur Diskussion stehen. Dabei stellt sich nicht nur die Frage nach den Medien der Gerüchteübertragung, sondern auch nach dem vermeintlichen Geschlecht des Gerüchts, das wie der Klatsch weiblich konnotiert ist – man denke an die entsprechenden ›-Tanten‹, die vorzugsweise in der (Gerüchte-)›Küche‹ oder beim Kaffee aktiv sind.

Literatur zur Einführung: Hans-Joachim Neubauer, Fama. Eine Geschichte des Gerüchts, Berlin: Berlin Verlag 1998.

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Filmanalyse

Proseminar I, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft/Medienwissenschaft, Universität Bonn, WS 2006/07 [Kommentar]

Das Seminar zielt darauf ab, »Filme« als die fremdartigen Erscheinungen in den Blick zu rücken, die sie sind – auch wenn sie ihre mediale Beschaffenheit mitunter vergessen machen, weil bestimmte filmische Darstellungskonventionen uns so vertraut sind, dass wir sie als ›natürlich‹ wahrnehmen.

Nach einer kurzen Einführung in die Technik- und Kulturgeschichte des Films erarbeiten wir Konzepte zur Analyse filmischer Verfahren (Mise en scène, Einstellung, Montage, Narration) und beschäftigen uns mit verschiedenen Aspekten filmwissenschaftlicher Kategorisierung (Genre, Autor, Zuschauer, Fiktion/Dokumentation). Die Perspektive auf die Herstellung von ›selbstverständlichen‹ Bedeutungen im Film wird durch die Beschäftigung mit theoretischen Ansätzen vertieft, die das Verhältnis von Konventionalisierung und Abweichung in Filmsprache und -rezeption reflektieren (Neoformalismus, Filmsemiotik, feministische Filmtheorie, Cultural Studies).

Vorgesehen ist eine enge Verzahnung von Theorie und ausgewählten Filmbeispielen (vom Stummfilm bis zu aktuellen Produktionen), was die Bereitschaft zur intensiven Beschäftigung sowohl mit (teilweise englischsprachigen) Texten wie mit Filmen voraussetzt.

Der wöchentliche Filmtermin ist obligatorischer Bestandteil des Seminars.

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Faszination und Bildmagie um 1800

Einführung II, Germanistisches Seminar/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2006 [Kommentar]

Ausgehend vom Begriff der Faszination, der etymologisch auf den Zusammenhang von Sehen und Verblendung bzw. Verhexung verweist, widmet sich das Seminar einer ganz bestimmten Sorte von Bildern in Texten: nämlich solchen »Bildnissen«, die den Betrachter regelrecht verhexen – nicht immer, weil sie »bezaubernd schön« sind. Es geht um Wahrnehmungsweisen und Beschreibungen von Bildern, die deren ›magische‹ Qualitäten zu erfassen versuchen und dabei sowohl ein Darstellungsproblem (Unsagbarkeit) wie eine Medienkonkurrenz (ein Bild sagt mehr als tausend Worte) austragen. Dabei nicht zuletzt wird zu fragen sein, was genau es eigentlich ist, das aus dem Bild zurückschaut, welche Platzhalterfunktion das magische Bild jeweils einnimmt – eine Frage, der auch in Exkursen in die diskursiven Gefilde von Kunsttheorie, Mythologie, Aberglaube und Geschlechtersemantik um 1800 nachgegangen wird.

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Literatur- als Medientheorie

Proseminar II, Germanistisches Seminar/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2006 [Kommentar]

Auch wenn die audiovisuellen Medien und vor allem der Computer häufig für den vermeintlichen Verfall der Buchkultur verantwortlich gemacht werden, sind »Literatur« und »Medien« keineswegs Gegenbegriffe: Literarische Werke sind ihrerseits medial verfasst, ihre Aufzeichnung und Verbreitung vollzieht sich mittels Medien, sie reagieren auf technische Entwicklungen. Literatur schreibt also immer auch Mediengeschichte/n, und dies nicht erst seit den technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts.

Im Seminar setzen wir uns mit verschiedenen Versuchen auseinander, den medialen Status von Literatur in deren Analyse miteinzubeziehen und Literaturtheorie (auch) als Medientheorie zu betreiben. Dabei geht es zunächst um Ansätze, die die Besonderheit des »Sprachkunstwerks« in Abgrenzung zu anderen Kunstformen und medialen Formaten bestimmen. Hier wird uns insbesondere Lessings (bis heute) einflussreiche Schrift »Laokoon« (1766) beschäftigen, die »die Grenzen der Malerei und Poesie« abzustecken versucht.

Desweiteren widmen wir uns den durch den Strukturalismus angeregten Versuchen, mediale Differenzen im Rahmen einer übergreifenden Zeichentheorie zu verhandeln und sprach- und literaturtheoretische Verfahren für die Analyse anderer Medien produktiv zu machen (etwa Roland Barthes’ »Rhetorik des Bildes« oder Christian Metz’ »Sprache des Films«). Schließlich stehen Theorien zur Debatte, die sich mit Prozessen der Übersetzung und der Hybridisierung von Medien beschäftigen und Literatur als Teil eines umfassenderen Medienverbunds in den Blick nehmen (Walter Benjamin, Marshall McLuhan, Friedrich Kittler).

Literatur zum Einstieg: Bernd Stiegler, Literatur und Medien. Einleitung, in: Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart, hg. von Dorothee Kimmich, Rolf Günter Renner und Bernd Stiegler, Stuttgart: Reclam 1996, S. 441-448 (dort weitere Hinweise). – Friedrich A. Kittler, Literaturgeschichte, in: Heinrich Bosse/Ursula Renner (Hg,), Literaturwissenschaft. Einführung in ein Sprachspiel, Freiburg: Rombach 1999, S. 357-362.

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2005

Filmanalyse

Proseminar I, Germanistisches Seminar/Medienwissenschaft, Universität Bonn, WS 2005/06 [Kommentar]

Das Seminar zielt darauf ab, »Filme« als die fremdartigen Erscheinungen in den Blick zu rücken, die sie auch und gerade dann sind, wenn sie sich so darstellen, als seien sie ›aus dem Leben gegriffen‹. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des Films als technisches Medium (und die Probleme, eine bzw. 1 solche zu erzählen) werden wir einzelne Konzepte zur Analyse der filmischen Verfahren erarbeiten, mittels derer Realismus-Effekte erzielt und unterlaufen werden (Mise en scène, Einstellung/Rahmung, Montage, Narration, Genre, Autor, Star). Diese Perspektive wird durch die Beschäftigung mit solchen filmtheoretischen Ansätzen vertieft, die die Unterscheidung zwischen Fiktion und Dokumentation verkomplizieren.

Vorgesehen ist eine enge Verzahnung von Theorie und ausgewählten Filmbeispielen, was die Bereitschaft zu intensiver Lektüre sowohl von Texten wie von Filmen voraussetzt.

Zur Einführung/Vorbereitung empfohlen: James Monaco, Film verstehen, Reinbek, 5. Aufl. 2004.

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Sexualität und Wahrheit 5

Proseminar II (gemeinsam mit Dr. Claude Haas), Germanistisches Seminar/Medienwissenschaft, Universität Bonn, WS 2005/06 [Kommentar]

1976 veröffentlichte der französische Historiker und Philosoph Michel Foucault den ersten Band seiner Geschichte der Sexualität, der ein Jahr später unter dem Titel »Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1« in deutscher Übersetzung erschien. Zwei weitere Bände folgten; der vierte ist bislang unveröffentlicht, da der frühzeitige Tod Foucaults 1984 die rechtliche Situation verkomplizierte.

Im Seminar »Sexualität und Wahrheit 5« soll versucht werden, die seinerzeit spektakuläre These Foucaults, der Sex sei in seiner abendländischen Geschichte zumindest nicht in erster Linie unterdrückt und tabuisiert, sondern als Gegenstand eines ständigen Sprechanreizes einer subtileren Machtausübung unterworfen worden, auf die gegenwärtigen Diskurse über Sexualität zu beziehen. Dies beinhaltet in einem ersten Schritt die intensive Auseinandersetzung mit Foucaults Argumentation und die exemplarische Diskussion historisch älterer Texte (Freud, Bataille, Marcuse u. a.). In einem zweiten Schritt wird die Situation der »sexuellen Revolution« der 60er Jahre bis zur Gegenwart (etwa die Normalisierung ehemals als »abweichend« geltender Sexualitäten, aber auch ihre erneute Stigmatisierung und Pathologisierung in der AIDS-Krise) in den Blick genommen.

Dabei liegt ein Schwerpunkt auf literarischen Texten (z. B. von Sybille Berg, Rolf-Dieter Brinkmann, Michel Houellebecq, Elfriede Jelinek, Philip Roth, Zeruya Shalev); darüber hinaus sind besonders symptomatische Erscheinungsformen des in Film, Fernsehen und Popkultur allgegenwärtigen Themas an einigen Beispielen zu diskutieren (etwa Kinsey, Sex and the City, ausgewählte Pornografie und »Lebenshilfe«). Hier wird uns v. a. der Zusammenhang zwischen Sex und »Geschichte« (Subjektivität) und damit einher die nach wie vor weit verbreitete (Wunsch-)Vorstellung eines geschichtslosen Sex interessieren. So sehr der Porno auf Geschichtslosigkeit zu setzen scheint, so sehr bleiben selbst heute noch als skandalös aber hochkarätig geltende Filme (L’homme qui aimait les femmes, Der letzte Tango in Paris) dem Modell einer stark geschichtsträchtigen Sexualität interessanterweise ausgerechnet des Mannes verpflichtet. Nach Gründen hierfür wird geduldig zu forschen sein.

Lektüre zur Vorbereitung: Michel Foucault, Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt a. M. 1983.

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Literatur und Fotografie

Proseminar I, Germanistisches Seminar/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2005 [Kommentar]

»– Wie erklären Sie dann aber folgendes, Herr Professor?« [...] »Eines Tages photographierten wir einen jungen Mann; – wir wußten übrigens nichts Näheres über ihn und kannten ihn nur flüchtig – – eine Kaffeehausbekanntschaft – wir wären wohl gar nicht auf die Idee gekommen, mit ihm zu experimentieren, wenn nicht Gustav, eigentlich ohne jeden Anhaltspunkt, – in diesem Fall etwas ganz Besonderes, eine wissenschaftliche Ausbeute in unserem Sinne, gewittert hätte. Also wir machen die Aufnahme, ›entwickeln‹, und auf dem Bild zeigt sich mitten auf der Stirn ein deutlicher kreisrunder schwarzer Fleck.« – Eine kurze Pause Stillschweigens. »Na – und?« fragte der Philosoph. »Und? – vierzehn Tage später tötete sich der junge Mann – – – durch einen Schuß in die Stirne. Sehen Sie, hier genau an dieser Stelle, – hier haben Sie beide Photographien, – die da als Leiche und diese vierzehn Tage früher. Vergleichen Sie selbst!« (Gustav Meyrink, Das – allerdings, 1913)

Seit sich die Fotografie im 19. Jahrhundert als Verfahren visueller Aufzeichnung etablierte, hat sich die Literatur vom »Schreiben mit Licht« faszinieren (also auch: verblenden) lassen. Im Seminar wird diese Faszinationsgeschichte anhand einiger Beispiele ›wissenschaftlich ausgebeutet‹. Dabei geht es weniger um den generellen (und umstrittenen) Einfluss der fotografischen Abbildfunktion auf die Realismus-Konzeptionen des 19. Jahrhunderts, als um literarische Inszenierungen einer Medienkonkurrenz, die gerade auf den Unterschied zwischen Text und Bild setzen. Diskutiert werden insbesondere Texte mit Fotos und über Fotos, aber auch Fotos von Texten und Fotografie-Theorie (u.a. von Walter Benjamin, Marcel Beyer, Bertolt Brecht, Rolf Dieter Brinkmann, Hubert Fichte/Leonore Mau, Alexander Kluge, Thomas Mann, W.G. Sebald, Susan Sontag). Wie wird die mediale Differenz zwischen Text und Bild je produktiv gemacht, wie werden Bilder beschriftet bzw. gelesen und wie Texte bebildert? Sagt ein Bild ›mehr als tausend Worte‹? Wie gelingt es der Schrift, der Fotografie ihren Wahrheitsanspruch – als Spur einer Realität bzw. Dokument – streitig zu machen? Welche Funktionen werden Fotografie und Schrift in der Verwaltung des subjektiven und kollektiven Gedächtnisses zugeschrieben, und wem gehört das Unsichtbare, das Jenseitige und die Zukunft? – »Vergleichen Sie selbst!«

Lektüre zur Vorbereitung: Roland Barthes, Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie (1980), Frankfurt/M.: Suhrkamp 1989. – Italo Calvino, Abenteuer eines Photographen (1957), in: ders., Abenteuer eines Reisenden. Erzählungen, München: dtv 1986, S. 108-128.

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Gender Remixed

Proseminar II (gemeinsam mit Dr. Peter Rehberg), Germanistisches Seminar/Medienwissenschaft, Universität Bonn, SS 2005 (zweifach) [Kommentar]

Innerhalb der Literatur- und Kulturwissenschaften gehören die Gender Studies zu den Theoriefeldern, in denen in der jüngsten Vergangenheit die intensivsten Debatten stattfanden. Seit den 70er Jahren dreht sich die Diskussion um den Zusammenhang von Geschlecht und Identität: Während es in früheren feministischen Positionen häufig als politische Notwendigkeit galt, auf die Identität ›der Frau‹ zu setzen, wurde dieser identitätspolitische Ansatz seit den 80er Jahren zunehmend in Frage gestellt. Mit der Einsicht in den performativen Charakter von Gender-Zuschreibungen hat sich die Kategorie der Geschlechtsidentität verkompliziert. Die Kritik seitens der Queer Studies wiederum machte darauf aufmerksam, dass selbst die Auffassung von Gender als Konstruktion noch auf der binären Unterscheidung von männlich vs. weiblich beruht – einer Unterscheidung, die nicht zuletzt von Homosexualität und Transgender durchkreuzt wird.

Im Seminar wird diese Theoriegeschichte an einer repräsentativen Auswahl unterschiedlicher Ansätze rekonstruiert. Dabei wird anhand verschiedener literarischer Texte (etwa von Hubert Fichte, Elfriede Jelinek, Thomas Meinecke, Yoko Tawada) und Filmbeispiele (etwa von Rainer Werner Fassbinder, Madonna) gefragt, wie die unterschiedlichen Ansätze jeweils methodisch produktiv zu machen sind.

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2004

Illusionsstörung: Brecht, Godard

Proseminar I, Germanistisches Seminar/Medienwissenschaft, Universität Bonn, WS 2004/05 [Kommentar]

»Um die Sinnesart der jungen Leute zu verstehen, betrachte man den Film unserer Zeit. Die Firmen wählen als Darsteller mehr oder weniger häufige Typen, die sich selber spielen, ohne jede Verstellung, Maske, Charakterisierung auftreten und in Situationen kommen, in welche auch das Publikum zu kommen wünscht – wenigstens in der Phantasie.« – Bertolt Brecht, der diese Diagnose in der 1930er Jahren formulierte, hat die Verfahren der Illusionierung und ihre politischen Implikationen nicht nur präzise analysiert. Er hat sie auch mit einem dezidierten und folgenreichen Gegenentwurf gekontert, und zwar in Theorie und Praxis. Das Seminar setzt sich zunächst mit Brechts Medienästhetik und seinem alternativen Konzept von Realismus auseinander, wobei die Techniken der Illusionsstörung (etwa der Verfremdungs-Effekt im epischen Theater) im Vordergrund stehen. Im zweiten Teil werden einige frühe Texte und Filme von Jean-Luc Godard aus den 1960er Jahren diskutiert – wiederum unter der Perspektive, wie der »Illusion« des Publikums, »es wohne einem natürlichen, uneinstudierten Vorgang bei« (Brecht), entgegengearbeitet wird. Im Zentrum steht die Frage nach einer Rhetorik der Illusionsdurchbrechung, die in beiden Fällen an ein politisches Selbstverständnis geknüpft ist und die sich bis in die zeitgenössischen Ausläufer solcher »Lehrstücke« (etwa Lars von Triers Film Dogville) verfolgen lässt.

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Text und Kontext

Proseminar II, Germanistisches Seminar der Universität Bonn, WS 2004/05 [Kommentar]

Wenn vom »Kontext« eines literarischen Texts oder anderer kultureller Artefakte die Rede ist, so muss dieser Begriff häufig dazu herhalten, die jeweils hergestellen Bezüge zu anderen Texten als relevant zu rechtfertigen. Ob institutionelle Entstehungsbedingungen, soziopolitische Tendenzen, ästhetische Konfigurationen oder psychologische Diagnosen etc. – die unterschiedlichsten Umgebungen von Texten können jeweils zu deren Kontext erklärt werden, sofern der/die Interpret/-in gute Argumente für die aktualisierte Verknüpfung aufzuweisen hat (oder auch nur für eine Forschungslücke).

Doch dieser Verwendung des Kontextbegriffs als einer Art Dummy Term steht eine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Texten zu ihrer (selbst textuell verfassten) Umwelt gegenüber, die sich notwendig auch als Selbstreflexion auf die eigenen Verfahrensweisen darstellt. Anhand einer Reihe einschlägiger theoretischer Texte soll diese Diskussion im Seminar in Teilen aufgearbeitet werden. Das Spektrum reicht von der Frage nach dem »Horizont« in der philosophischen Hermeneutik (Gadamer) über sozialgeschichtliche Ansätze, Diskursanalyse (Foucault) und Kollektivsymbolik (Link) bis zum New Historicism (Greenblatt) sowie zur Mediengeschichte (Kittler). Am Rande werden – als Kontrastfolie, vor deren Hintergrund zusätzliche Trennschärfe gewonnen werden kann – auch Ansätze diskutiert, die in unterschiedlicher Vehemenz auf immanente Verfahren der Texterschließung setzen und die Kontextfrage auf den ersten Blick unberücksichtigt lassen (Formalismus; (Post-) Strukturalismus).

Zum Seminarbeginn vorausgesetzt wird die Lektüre der Erzählung Heinrich von Kleists Die Verlobung in St. Domingo (Reclam-Ausgabe). Dieser Text gilt als ein gemeinsamer Bezugspunkt, an dem die theoretischen Ansätze jedoch nicht durchexerziert, sondern jeweils einzelne Aspekte diskutiert werden sollen.

Zur ersten Orientierung empfohlen: Herbert Jaumann, Literatur und Gesellschaft, in: Fischer Lexikon Literatur, hg. von Ulfert Ricklefs, Band 2, Frankfurt/M.: Fischer 1996, S. 1030-1053.

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»Film in Worten«: Pop-Literatur-Medien

Einführung in die Literaturwissenschaft II, Germanistisches Seminar der Universität Bonn, SS 2004 [Kommentar]

Wenn heute von »Pop-Literatur« die Rede ist, so bezieht sich diese Zuschreibung häufig auf den ›Inhalt‹ der Texte (Popkultur, Massenmedien), auf das vermeintliche soziale Milieu der Autor/-innen (DJ-/Club-Kultur, ›Szene‹) oder auch nur auf deren jugendliches Alter. Im Seminar werden wir den Fokus auf die Ebene der literarischen Verfahren verschieben und die Versuche intermedialer Transfers beobachten: Wie gelangen ›die Anderen‹ der Schrift, die Bilder und der Sound, ins Medium Buch? Oder, um eine programmatische Formulierung von Rolf-Dieter Brinkmann aus dem Jahr 1969 aufzugreifen: Wie schreibt man einen »Film in Worten«?

Dabei weisen schon an Montage, Zapping oder Sampling orientierte Verfahren darauf hin, dass die Rekonstruktion einer – ihrerseits traditionskritischen – Pop-Tradition seit den 1960er Jahren notwendig auch auf den jeweiligen medienhistorischen Kontext zu beziehen ist. Das gilt auch für die an den Mediendiskurs gekoppelte High/Low-Unterscheidung, deren Durchkreuzung zu den zentralen Einsätzen von frühem Pop gehört. Wenn diese Unterscheidung heute ohnehin durchlässig ist und Pop nicht mehr für die Verheißung von ›Gegenkultur‹ oder ›kulturelle Dissidenz‹ einsteht, stellt sich auch die Frage, ob und wie die Differenzmaschine, die »Pop« von »Populärkultur« unterscheidet, in Gang gehalten wird. – Diskutiert werden Texte u.a. von Rolf Dieter Brinkmann, Hubert Fichte, Peter Handke, Elfriede Jelinek, Rainald Goetz, Thomas Meinecke, Max Goldt und Benjamin v. Stuckrad-Barre.

Literatur zur Vorbereitung: Diedrich Diedrichsen, »Pop – deskriptiv, normativ, emphatisch«, Rowohlt LiteraturMagazin 37 (1996) [»Pop-Technik-Poesie. Die nächste Generation«], S. 36-44. – Jörgen Schäfer, »›Neue Mitteilungen aus der Wirklichkeit‹. Zum Verhältnis von Pop und Literatur seit 1968«, in: Text+Kritik. Zeitschrift für Literatur. Sonderband Pop-Literatur, München 2003, S. 7-25. – Eckhard Schumacher, Gerade Eben Jetzt. Schreibweisen der Gegenwart, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2003.

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Parodieren

Proseminar I, Germanistisches Seminar der Universität Bonn, SS 2004 [Kommentar]

Im Griechischen steht die Vorsilbe par/a sowohl für »dagegen« wie für »daneben«; sie markiert ein Verhältnis, das gleichzeitig von Nähe und Distanz, von Ähnlichkeit und Differenz gekennzeichnet ist. Entsprechend klingt in dem Wort Parodie sowohl der Neben- wie Gegengesang an: Parodien beziehen sich – in der Regel in der ›parasitären‹ Form des Zitats – auf eine Vorlage. Sie sind Kopien eines Originals, die gezielt auf Abweichung setzen, auch wenn das Original als solches erkennbar bleiben muss. Parodien sind ebenso von ihrem ›Wirtstext‹ abhängig, wie sie darauf zurückwirken (etwa wenn sie dessen Originalitätsanspruch stören, indem sie sich darüber lustig machen). Im Seminar sollen die Beziehungen zwischen Original und Kopie bzw. zwischen Wirt und Gast, das die Vorsilbe par/a benennt, genauer untersucht und dabei nicht zuletzt als Machtverhältnis in den Blick genommen werden.

Zum einen ist eine literaturwissenschaftliche Rekonstruktion von Parodie-Konzepten vorgesehen, die auch Analogien und Abgrenzungen zu benachbarten Genres (z.B. dem Pastiche) und Verbindungen zur Ironie berücksichtigt. Zum anderen sollen parodistische Verfahren in einer medienübergreifendenden Perspektive diskutiert werden – zum Beispiel Geschlechterparodien, Verfahren der Bildaneignung in Pop Art, Appropriation Art und im Film sowie die afroamerikanische Kulturtechnik des Signifyin’. Gelesen werden Texte u.a. von Bertolt Brecht (Stichwort: V-Effekt), Judith Butler (Gender-Parodie), Gérard Genette (Literatur auf zweiter Stufe) und Henri Louis Gates jr. (Signifyin’).

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2003

Parodieren

Proseminar, Institut für deutsche Sprache und Literatur/Medienwissenschaft, Universität zu Köln, WS 2003/04 [Kommentar]

»›Para‹ is a double antithetical prefix signifying at once proximity and distance, similarity and difference, interiority and exteriority, something inside a domestic economy and at the same time outside it, something simultaneously this side of a boundary line, threshold, or margin, and also beyond it, equivalent in status and also secondary or subsidiary, submissive, as of guest to host, slave to master.« (J. Hillis Miller, The Critic as Host, in: ders., Theory Now and Then, New York 1991, S. 143-170, hier: 144 f.)

Parodien beziehen sich – in der Regel in der ›parasitären‹ Form des Zitats – auf eine Vorlage. Sie sind Kopien eines Originals, die gezielt auf Abweichung setzen, auch wenn das Original als solches erkennbar bleiben muss. Parodien sind ebenso von ihrem ›Wirtstext‹ abhängig, wie sie darauf zurückwirken (etwa wenn sie dessen Originalitätsanspruch stören, indem sie sich darüber lustig machen). Im Seminar sollen die Beziehungen zwischen Original und Kopie bzw. zwischen Wirt und Gast, das die Vorsilbe par/a benennt, genauer untersucht und dabei nicht zuletzt als Machtverhältnis in den Blick genommen werden.

Zum einen ist eine literaturwissenschaftliche Rekonstruktion von Parodie-Konzepten vorgesehen, die auch Analogien und Abgrenzungen zu benachbarten Genres (z.B. dem Pastiche) und Verbindungen zur Ironie berücksichtigt. Zum anderen sollen parodistische Verfahren in einer medienübergreifendenden Perspektive diskutiert werden – zum Beispiel Geschlechterparodien (Drag, Camp, Voguing), die afroamerikanische Kulturtechnik des Signifyin’ (Hip Hop) oder Verfahren der Aneignung in der Appropriation Art. Gelesen werden Texte u.a. von Bertolt Brecht (Stichwort: Umfunktionieren), Judith Butler (Geschlechterparodie), Jacques Derrida (»Zitathaftigkeit«), Gerard Genette (Literatur 2. Stufe), Henri Louis Gates jr. (Signifyin’), Alfred Liede (Parodie und Spiel).

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Ich in der Gegenwartsliteratur

Proseminar (gemeinsam mit Dr. Leander Scholz), Germanistisches Institut, Universität Bonn, SS 2003 [Kommentar]

Die 90er Jahre sind von einem Diskurs der Flexibilisierung geprägt. Unter Stichwörtern wie »postheroisches Ich« oder »flexibler Mensch« bis hin zur »Ich-AG« geht es dabei um die maximale Anpassung traditioneller Subjektvorstellungen an die Geschwindigkeit ökonomischer und gesellschaftlicher Prozesse. Dieser Anpassungsdruck führt nicht zuletzt zu Entpolitisierung und Privatisierung, zu einer Art Ich-Monade, die sich in einem Kokon aus Privatmythologien einschließen muss, um ihre Identität zumindest für sich selbst herstellen zu können, indem sie sich abschließt. Von dieser Beobachtung ausgehend wollen wir nach den Ich-Konstruktionen im zeitgenössischen Roman fragen: Wie werden die klassischen Kategorien »Ich«, »Welt«, »Erfahrung« und »Geschichte« ins Spiel gebracht? Welche Schreibweisen provozieren die unterschiedlichen Filter beim Blick auf die gesellschaftliche Realität? Schließlich stellt sich, gerade im Hinblick auf Politisierungsstrategien der Literatur in den 70er und 80er Jahren, die explizit auf eine bestimmte Form der Öffentlichkeit abzielten, die Frage, ob die literarischen Reaktionen auf Flexibilisierungsdiskurse als Mikropolitik des Alltäglichen gelten können.

Folgende Romane werden diskutiert: Rainald Goetz: Kontrolliert (1988), Thomas Hettche: Ludwig muß sterben (1989), Yoko Tawada: Ein Gast (1993), Katrin Röggla: Abrauschen (1997), Christian Kracht: 1979 (2001), Marcel Beyer: Spione (2001).

Wegen des Lektüreumfangs empfiehlt es sich, die Texte bereits vor Seminarbeginn zu lesen! Eine Liste mit Hinweisen zu Sekundärliteratur wird rechtzeitig ausgehängt.

Das Seminar findet am Germanistischen Seminar der Universität Bonn statt. Kölner Studierende sind herzlich willkommen.

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2002

Visuelle Idiome in der Popkultur II (80er Jahre bis heute)

Proseminar, Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität zu Köln, WS 2002/03 [Kommentar]

Vgl. den Kommentar zu Teil I der Veranstaltung im SS 2002.

Die Diskussion, die im Seminar über visuelle Idiome in der Popkultur der 60er und 70er Jahre begonnen wurde, wird anhand von Arbeiten, die seit den 80er Jahren entstanden sind, fortgesetzt. Ausgehend von der Verabschiedung von Hippie-Subkulturen durch Punk soll zum einen rekonstruiert werden, wie visuelle Idiome der Popkultur in den so genannten Mainstream integriert werden – ein Prozess, dessen Folgen in den 90er Jahren unübersehbar werden. Zum anderen ist zu fragen, mittels welcher textueller und visueller Verfahren dieser Prozess wiederum kommentiert bzw. unterlaufen wird und neue (sub-)kulturelle Abspaltungen stattfinden.

Wie bereits das Seminar im letzten Semester, setzt auch diese Veranstaltung an den Schnittstellen von Literatur, Graphik und Bildender Kunst an, allerdings aus der Perspektive der Literatur (-wissenschaft). Es geht um Texte, Bilder und Text/Bild-Arbeiten von Rainald Goetz, Max Goldt, Albert Oehlen, Martin Kippenberger, Jürgen Ploog, Felix Reidenbach, Dieter Roth u.a.

Lektüre zur Vorbereitung: Greil Marcus, Lipstick Traces. Von Dada bis Punk. Eine geheime Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, Hamburg: Rogner & Bernhard 1992.

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Visuelle Idiome in der Popkultur I (1960er bis 1980er Jahre)

Proseminar, Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität zu Köln, SS 2002 [Kommentar]

»Pop« – das stand zumindest in den späten 50er und in den 60er Jahren für die programmatische Überschreitung der Grenzen zwischen etablierter und niedriger Kunst, zwischen gutem und schlechtem Geschmack und nicht zuletzt zwischen ›Europa‹ und ›Amerika‹. Mit auf dem Spiel standen die Grenzen zwischen Kunstgattungen und Medien: Neue Mischformen entstehen, die der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan schon damals – lange vor dem Boom ihrer digitalen Nachfolger – als »hybrids« bezeichnete (in der deutschen Übersetzung: »Bastarde«). Das Seminar widmet sich einer Subspezies dieser »Bastarde«, indem es Text-Bild-Experimente in den Blick nimmt.

Denn die skizzierten Grenzüberschreitungen hinterlassen ihre Spuren auch im Medium Buch. So entstehen ›Pop-Texte‹, die nicht nur durch ihre Themen, sondern auch durch ihre typographische Gestaltung und die Verwendung von Bildern auf ihre visuelle Seite aufmerksam machen. Dabei kommen in den ›literarischen‹ Texten vorzugsweise vorgefundene Bilder zum Einsatz, die wegen ihrer deutlichen Herkunft aus den Massenmedien auch als ›Popularitätssignale‹ fungieren.

Ausgehend von Beispielen der frühen PopArt wird nach der Ausdifferenzierung des »visuellen Idioms« (Dick Hebdige) von Pop gefragt: Welche visuellen Eigentümlichkeiten lassen sich unterhalb des gemeinsamen Nenners Pop bzw. Underground in unterschiedlichen Szenen beobachten? Welche Rolle spielen dabei v.a. in der PopArt etablierte Verfahren und Konzepte wie Kopie, Serialisierung, Ikonisierung der Schrift, Bildzitate? Und in welchem Zusammenhang stehen die Text-Bild-Experimente zu den formulierten ›Weltanschauungen‹, Kulturdiagnosen und Theorien? Wenn nach McLuhans berüchtigtem Slogan das Medium die Botschaft ist, welche Botschaften überkreuzen sich dann in diesen »Bastarden«?

Im Seminar werden eine Reihe exemplarischer Arbeiten (z.B. von Rolf Dieter Brinkmann, Rainald Goetz, McLuhan/Quentin Fiore, Ed Ruscha, Andy Warhol) also nicht nur gelesen, sondern auch genauer angeguckt. Der genaue Seminarplan wird in der ersten Sitzung besprochen – Vorschläge der Teilnehmer/-innen sind sehr erwünscht. Im nächsten Semester soll das Seminar mit Arbeiten aus den 90er Jahren bis zur Gegenwart fortgesetzt werden.

Lektüre zur Vorbereitung: Dick Hebdige, »In Poor Taste: Notes on Pop«, in: ders., Hiding in the Light. On Images and Things, London, New York: Routledge 1988.

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2000

Ansteckend! Zur Topik des Viralen in der Gegenwartskultur

Proseminar, Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität zu Köln, WS 2000/01 [Kommentar]

Das Aufkommen von AIDS Anfang der 80er Jahre begünstigte die Verbreitung einer »Logik des Epidemischen« (Linda Singer), die sich über die Tatsache einer biologischen Ansteckung hinaus ins kollektive Imaginäre erstreckt. Als Fremdkörper par excellence liefert die Figur des Virus das Vorstellungsmuster und die Metaphorik für eine Reihe von Grenzverhandlungen, in denen die Unterscheidung zwischen ›Eigenem‹ und ›Fremdem‹ auf dem Spiel steht. Das unbemerkte Einnisten in den Wirtsorganismus, der zugunsten der eigenen Vervielfältigung umcodiert wird, die Umkehrung asymmetrischer Machtverhältnisse durch strategische Raffinesse, die Verhinderung von Identifizierung durch Mutation – diese Eigenschaften des Virus werden sowohl bemüht, um phobische Konstruktionen und grenzsichernde Maßnahmen zu autorisieren, wie sie andererseits die Programmatiken von Denkern und Praktikern der ›Subversion‹ beliefern.

Die Figur des Virus bzw. des Parasiten avancierte zu einem Kollektivsymbol, das derzeit in verschiedensten Diskursen zirkuliert – sei es in dem der Informationstechnologie (als Computervirus), in so genannten postmodernen Theorien (etwa von Baudrillard oder Derrida) oder in der Popkultur. Hier lassen sich unterschiedliche Strategien beobachten, an der Topik zu parasitieren, die sich um die schillernden Figur des Virus als perfektem ›Anderen‹ organisiert, etwa in der Science Fiction-Mythologie, im sowohl literarisch wie filmisch ausgeprägten Genre des Viren-thrillers und in Aneignungen der Topoi ›Black Alien‹ und ›ansteckendes Afrika‹ im Hip Hop.

Im Seminar wird diese Wucherung der Topik des Viralen, die interdiskursive Zirkulation des Virus in Medizin/Immunologie, Informationstechnologie und verschiedenen kulturellen Praktiken, an einigen exemplarischen Texten und Filmen rekonstruiert.

Lektüre zur Vorbereitung: B. Weingart, Parasitäre Praktiken. Zur Topik des Viralen, in: Claudia Benthien/Irmela M. Krüger-Fürhoff (Hg.), Über Grenzen. Limitation und Transgression in Literatur und Ästhetik, Stuttgart, Weimar: Metzler 1999, S. 207-230.

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Pop-Literatur

Proseminar, Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität zu Köln, SS 2000 [Kommentar]

Das Label »Pop-Literatur« hat derzeit Konjunktur. Die Kriterien für seine Vergabe beziehen sich häufig auf den ›Inhalt‹ der Texte (Popkultur, Massenmedien) und/oder auf das vermeintliche soziale Milieu der Autor/-innen (DJ-/Club-Kultur, ›Szene‹). Im Seminar soll hingegen versucht werden, den Fokus auf die Ebene der literarischen Verfahren zu verschieben und die Versuche intermedialer Transfers zu beobachten: Wie gelangen ›die Anderen‹ der Schrift, die Bilder und der Sound, ins Medium Buch?

Dabei weisen schon an Montage, Zapping oder Sampling orientierte Verfahren darauf hin, dass die Rekonstruktion der – traditionskritischen – Pop-Tradition seit den 60er Jahren notwendig auf den jeweiligen medienhistorischen Kontext zu beziehen ist. Das gilt auch für die an den Mediendiskurs gekoppelte High/Low-Unterscheidung, deren Durchkreuzung zu den zentralen Einsätzen von Pop gehört.

Wenn diese Unterscheidung heute ohnehin durchlässig ist und Pop nicht mehr für die Verheißung von ›Gegenkultur‹ oder ›kulturelle Dissidenz‹ einsteht, stellt sich auch die Frage, ob und wie die Differenzmaschine, die »Pop« von »Populärkultur« unterscheidet, in Gang gehalten wird.  Diskutiert werden Texte u.a. von Rolf Dieter Brinkmann, Hubert Fichte, Peter Handke, Elfriede Jelinek, Rainald Goetz, Thomas Meinecke, Max Goldt, Christian Kracht, Alexa Henning von Lange, Benjamin Stuckrath-Barre – eine für Vorschläge der Seminarteilnehmer/-innen offene Liste.

Literatur zur Vorbereitung: Diedrich Diedrichsen, »Pop – deskriptiv, normativ, emphatisch«, Rowohlt LiteraturMagazin 37 (1996) [»Pop-Technik-Poesie. Die nächste Generation«], S. 36-44; ders., Der lange Weg nach Mitte. Der Sound und die Stadt, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1999, bes. Kap. 5 »Die 90er, und dahinter die Unendlichkeit«; Tom Holert/Mark Terkessidis (Hg.), Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft, Berlin: Edition ID-Archiv 1996, bes. die Einleitung. – Jost Hermand, »Pop-Literatur«, in: ders. (Hg.), Literatur nach 1945 I [=Neues Handbuch der Literaturwissenschaft Bd. 22], Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion 1979, S. 279-310.

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1993

Sprachkurs German 202

German Department der Washington University in St. Louis, 1993/94